Fleischerei & Fachkräftemangel: Ein zu bewältigendes Problem oder eine hoffnungslose  Odyssee?

 Seit Jahren ächzt das Lebensmittelhandwerk unter der zermürbenden Last des Fachkräftemangels.
Das muss so nicht sein. In diesem Artikel gehen wir ausführlich auf viele mögliche verschiedene
 Lösungansätze ein, die bei der Auffrischung des Images des Handwerks helfen können.
Von Vincent Adams - 11.02.2025

Auch zu Zeiten von negativem Wirtschaftswachstum und sich anbahnenden Entlassungen ist für das Lebensmittelhandwerk gleichbeliebend schwierig, die Anzahl an eingereichten Bewerberbungen zu erhöhen. So kletterte die hessische Arbeitslosenquote im Februar 2025 auf satte 6,2%. - Prozentsätze, die vor fünf Jahren noch undenkbar waren. Aber weshalb tut sich die Branche so schwer, junge Menschen für eigentlich krisensichere Jobs zu gewinnen?

Die Antwort darauf findet sich nicht nur in einem sich ständig verändernden Werteverständnis unter den jüngeren Generation, welches man auf keinen Fall mit Faulheit gleichsetzen darf - auch der subjektive Eindruck, dass in der Branche nicht die monetären Möglichkeiten existieren, um sich effektiv gegen den Anstieg von Verbraucherpreisen zu schützen, fällt angesichts des dem Land zugemuteten politischen Unvermögens immer schwerer ins Gewicht. Wie ist es also möglich Profit aus dieser historischen Krise zu schlagen und auch Quereinsteiger für das eigene Handwerk zu begeistern, ohne sich als Unternehmer finanzielle Handlungsräume zu nehmen?

                Work-Life-Balance, Geld und Wertschätzung

Diese Punkte waren im Jahr 2024 laut einer repräsentativen Umfrage von Statista die drei wichtigsten Aspekte bei der Auswahl von Unternehmen unter Bewerbern. Auch Punkte wie eine betriebliche Altersvorsorge, Nachhaltigkeit, sowie Weiterbildungs- und Karrierechancen wurden von der Mehrheit der Angestellten als wichtig empfunden. Besonders das Anbieten von Unterstützung bei Weiterbildungsmaßnahmen kann eine absolute Win-Win-Situation sein, da sich Handwerksmeister und Verkaufsleiter vielseitig im Betrieb einsetzen lassen können, sowohl wenn es um das Ausbilden von Fachkräften geht, als auch im Hinblick auf potentielle Betriebsexpansionen. 

Aber auch sogenannte "Corporate Benefits" (Mitarbeiterangebote) werden im Schnitt von 43% aller Angestellten als "positiv" wahrgenommen und gelten als beliebter Mittelweg, um ausufernde Lohnkosten zu vermeiden. Aber was ist das überhaupt? Nun, die Antwort ist eigentlich sehr simpel: Der Arbeitgeber bezahlt oder bezuschusst gewisse Freizeit- und Alltagsangebote - meist steuerfrei. Bekannte Beispiele hierfür sind Essenszuschüsse, Jahrestickets für den ÖPNV, Fitnessstudiomitgliedschaften, Kita-Zuschüsse, ein betriebliches Bike-Leasing, aber auch monetäre, leistungsorientierte Anreize wie Gewinnbeteiligungen. 

           Die Verpackung macht viel aus - nicht nur im Verkauf

Wenn Sie beispielsweise in Ihrer Fleischerei Biofleisch anbieten, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Sie das auch marketingtechnisch in irgendeiner Form kommunizieren. Ähnlich sollte das auch im Personalmarketing der Fall sein. 
Zur sinnbildlichen Veranschaulichung: Auf einem Markt, in dem es subjektiv gesehen nicht deutlich weniger Verkäufer als Kunden gibt, hat nur der Verkäufer eine Chance, der über ein Top-Angebot verfügt, welches er auch am besten und am lautesten kommunizieren kann. Deshalb ist es essentiell, in Stellenanzeigen in aller Deutlichkeit auf Benefits und weitere Alleinstellungsmerkmale hinzuweisen und ebenfalls auf zu viel Text zu verzichten, um den Interessenten nicht zu mit überreizen. Auch kreative Bilder und Videos sind hier sehr hilfreich.

                                              Das Konzept

Bei der Erstellung eines Anwerbungskonzeptes sollte man die Dinge nicht komplizierter machen als sie sind. Jedoch sollte man sich Faktoren wie Lohnkosten, Urlaubstagen, Benefits und Arbeitszeitmodellen natürlich nicht maßlos übernehmen, aber auch gleichzeitig bedenken, dass die Konkurrenz groß ist. Hier ist es empfehlenswert, sich im Zweifelsfall kostenfrei von einer Recruiting-Agentur beraten zu lassen. Außerdem ist es ratsam, in Stellenanzeigen von Phrasen wie ,,Wir erwarten..." abzusehen. Denn bedenken Sie: Auch eine  Stellenanzeige ist Werbung für Ihr Unternehmen, die darauf abzielt, einen bestmöglichen Eindruck zu erzeugen. Stellen Sie sich einmal folgende Frage: Wo würden Sie als Arbeitnehmer lieber arbeiten wollen? In einem Unternehmen, das in erster Linie damit wirbt, dass es seine Mitarbeiter bestens behandelt und gut kompensiert? Oder lieber in einer Firma, die Ihnen sofort mitteilt was Sie zutun haben und was von Ihnen erwartet wird?

                                          Die Umsetzung

Nachdem wir geklärt haben, welche Formulierungen man nutzt und wie Sie Ihr Unternehmen grafisch in Szene setzen, gilt es jetzt sich dem letzen aber auch schwierigsten Punkt zu widmen - nämlich der Umsetzung. Die gute Nachricht ist, dass man auch hierbei kreativ sein kann. Von Aushängen, über Plakaten, sowie Kino- und Radiowerbung, bishin zu Werbung im Internet ist alles möglich. Jedoch sind gute Kenntnisse im Marketing von Nöten, um sicher sein zu können, dass die Kampagnen Früchte tragen werden. So sollte man seine Zielgruppe genau definieren können und etwas unter dem Begriff "Targeting" verstehen. Auch die Bedeutung von gewissen Abrechnungsmethoden wie beispielsweise zum "CPL" (Cost per Lead) sind essentiell, um die Kosteneffizienz und Wirksamkeit seiner Werbemaßnahmen beurteilen zu können. Mehr dazu finden Sie in unserem Lexikon.

                                                   Fazit

Die Annahme, dass das Finden von neuem Personal im Lebensmittelhandwerk unmöglich wäre, entspricht nicht der Realität. Aber es Bedarf ein gewisses Maß an Kreativität, gutem Willen und unkonventiellem Denken, um Resultate zu erzielen. Ja, die deutsche Wirtschaft stagniert. Dennoch kann die aktuelle Krise kann für das Lebensmittelhandwerk eine historisches Chance sein, um Leute aus anderen Branchen anzuwerben, besonders weil sie offen für Quereinsteiger ist. Denn gegessen wird bekanntlich immer.